Finanz- und Versicherungsmathematik

Spätestens die aktuelle Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass Banken und Finanzdienstleister ihr Risikomanagement nicht immer im Griff haben. Eine Ursache dafür sind auch die unzureichenden Berechnungsgrundlagen, die das Risiko oft unterschätzen.

Bislang werden Rechenmodelle herangezogen, die eindimensional verfahren, also Einzelrisiken als voneinander unabhängig annehmen. Diese Annahme ist jedoch stark vereinfachend und kann in multivarianten Modellen zu groben Fehlern bei der Abschätzung des Risikos führen. Denn sie lässt außer Acht, dass in der Realität ein Ereignis ein weiteres nach sich ziehen kann, ein Risiko das nächste bedingt oder Schäden zu Folgeschäden führen, die dann akkumulieren.

Die als „Basel II“ bekannten Eigenkapitalvorschriften, die in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union für alle Kreditinstitute und Finanzdienstleister angewandt werden, stellen seit 1. Januar 2007 allerdings gewisse Mindestanforderungen an das Risikomanagement. Daher ist der Bedarf an zuverlässigen Rechenmodellen deutlich gestiegen. An dieser Tatsache orientieren sich Mathematiker der TU Braunschweig und der Leibniz Universität Hannover. Sie entwickeln und untersuchen neue Modelle für die Finanz- und Versicherungsmathematik, die bei der Risikoabschätzung den realen Abhängigkeiten besser Rechnung tragen und eine angemessene Bewertungsgrundlage darstellen.

Besonderes Augenmerk wollen die Wissenschaftler dabei auf die Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten zwischen Finanz- und Versicherungsprozessen legen. Auch die Wahrscheinlichkeit für eine Versicherung, aufgrund voneinander abhängiger Einzelrisiken in den Ruin zu geraten, sowie geeignete Schätzverfahren für die Modellgrößen werden zentrale Bestandteile der Forschung sein.

 

Teilnehmer des internationalen Workshops für Finanz-und Versicherungsmathematik an der TU Braunschweig